Forschung am Institut für Gewaltfreie Kommunikation

Die Probleme sieht jeder Laie. Wenn bei einem G20-Gipfel wie Anfang Juli 2017 in Hamburg vermummte Frauen und Männer Autos anzünden, Geschäfte plündern, Straßenzüge verwüsten und Steine und Molotow-Cocktails auf Polizisten werfen, macht uns das zunächst sprachlos. Und dann kommen die Fragen: Warum und wie entstehen solche Gewaltexzesse? Oder genauer noch: Was bringt den einzelnen Beteiligten zu solchen Handlungen? Allein zwischen 2001 und 2014 starben weltweit 108.294 Menschen bei Terroranschlägen. In den USA ermutigt ein Baptistenpfarrer die Menschen dazu, Homosexuellen – so wörtlich – „die Hirne wegzublasen“, Hassprediger des so genannten Islamischen Staates rufen dazu auf, alle Ungläubigen zu töten. Und auch hier die Frage: Was genau bringt diesen Hassprediger dazu, was fehlt dem Baptistenpfarrer?

Die Welt brennt im Namen Allahs und im Namen Gottes

und im Namen welchen mythischen Wesens auch immer. Christen und Juden und Muslime berufen sich auf Schriften, die vor Brutalität strotzen, schon Kinder hören die Geschichten von einem Mann wie Abraham, der heute wegen Kindesmisshandlung vor Gericht gestellt würde. Islamisten zünden Bomben, bringen den Tod in die Welt, weil sie angeblich mit 72 Jungfrauen belohnt werden. Wir alle, wir Menschen sind die Nachfahren Kains. Sagen Theologen. Aber ist damit irgendetwas erklärt? Gewalt funktioniert auch ohne Religion. Politikwissenschaftler konstatieren so etwas wie eine grundlegende Radikalisierung der gesellschaftlichen Mitte, eine Entwicklung, die an die nationalkonservative Revolution, die an die Weimarer Republik erinnere. Tatsächlich drängen sich Vergleiche auf. Auch heutige Parolen mit Begriffen wie „Altparteien“, dem „System Merkel“, der „Meinungsdiktatur“ oder der „Lügenpresse“ zielen polemisch und volksverhetzend, sprich: gewaltsam auf die demokratische Verfassung. Aber wer erfüllt sich warum welche Bedürfnisse mit dieser Strategie der Gewalt?

Der klassischen Konfliktforschung

sind die Ursachen und Faktoren durchaus geläufig, die zu Unruhen und Gewalt führen, sowohl im individuellen Bereich als auch gesellschaftlich. Strategien der Konfliktvermeidung oder –bewältigung werden wahlweise auf der (ordnungs-) politischen oder kommerziellen Ebene gesucht. Gegen individuelle Gewalt setzt der Staat die Polizei ein, gegen den internationalen Terrorismus das Militär. Und es gilt die (nicht immer greifende) Formel: Wohlstand für alle fördert den Frieden.

Das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation

setzt wesentlich früher und grundsätzlicher an: Nicht beim Ausbruch der gewaltsamen Handlung, nicht bei Massenphänomen, sondern bei den tatsächlichen, auf den Einzelnen bezogenen Ursachen ihrer Entstehung. Mit der Frage: Was bringt den einzelnen Menschen dazu, Gewalt auszuüben. Die Gewaltfreie Kommunikation setzt damit nicht soziologisch oder politisch an, sondern auf der Bedürfnisebene des Einzelnen. Alle Menschen, ganz gleich welchem Kulturkreis sie entstammen, haben identische Grundbedürfnisse. Und allein auf dieser Ebene – so hat es Marshall B. Rosenberg festgestellt – sind sich Menschen gleich. Sprich: Auf dieser Ebene und allein auf dieser Ebene ist Verständigung möglich. Und damit auch eine grundlegende Konfliktbewältigung.

Und die Praxis?

Lassen sich tatsächlich mit dem Konzept der Gewaltfreien Kommunikation die Exzesse eines G20-Gipfels, die Terroranschläge oder die Radikalisierung verhindern?

Das Institut für Gewaltfreie Kommunikation unterstützt und begleitet die Forschung zu eben dieser Fragestellung. Wir ermuntern und ermutigen Konfliktforscher, Psychologen, Politologen und andere, sich mit diesem Modell auseinanderzusetzen und mit uns in Verbindung zu setzen.