Marshall Rosenberg – Ein Raufbold erkennt die Kraft der Gewaltlosigkeit.

„Schlag zu, bevor Du von anderen geschlagen wirst!“ – Der Leitspruch seiner Kindheit.
Marshall Bertram Rosenberg kommt am 6. Oktober 1934 in Ohio zur Welt, aber er wächst in Detroit auf, in einem gewaltsamen Viertel dieser – wie er sie selbst später bezeichnen wird – „brutalsten Stadt der USA“. Wegen seines jüdischen Namens wird er immer wieder auf der Straße angegriffen – und immer wieder bleibt er seinem Leitspruch treu. Rosenberg gilt bald als Schläger, fliegt deshalb zweimal von der Schule. Auch als Student wird er der Uni verwiesen, weil er zuvor einen Kommilitonen verprügelt hat.

Ein Raufbold also. Gewalt ist die Sprache, in der sich Rosenberg verständigt. Und ausgerechnet dieser Mann wird zum Begründer des gemeinnützigen „Center for Nonviolent Communication“, des Zentrums für gewaltfreie Kommunikation in Sherman, Texas?
„Wer sonst wäre dazu geeignet gewesen, wenn nicht ich?“ – so wird er es  später formulieren.

Einer Verwandlung vom Saulus zum Paulus geht stets ein längerer Weg voraus. Für Rosenberg hat dieser Weg schon in der Kindheit begonnen. Er macht damals eine ihn prägende Beobachtung: „Ich sah Leute, die sich amüsierten, wenn ich verprügelt wurde. Und ich sah dieses ganz andere Lächeln des Onkels, wenn er sich um meine gelähmte Großmutter kümmerte.“ Er fragt sich, wie es zu diesen so grundverschiedenen Arten der Freude kommen kann.

Rosenberg studiert zunächst klinische Psychologie. 1961 promoviert er in diesem Fach. Und dann macht er eine weitere prägende Beobachtung: Einfühlsames Zuhören führt sicherer zum Heilungserfolg als jede klassische Therapie, als jedes Medikament. Rosenberg gibt aufgrund dieser Erkenntnis seine Praxis auf. Er verdient sein Geld zunächst als Taxifahrer und entwickelt jenes Konzept, das weltberühmt werden soll: Die Gewaltfreie Kommunikation.

Mehr als 30 Jahre lang zieht Rosenberg durch die Welt, hält Seminare, viele auch in Deutschland. Er vermittelt in Krisen- und Kriegsgebieten erfolgreich zwischen den Konfliktparteien, etwa im Nahen Osten. Er sammelt immer wieder neue Erfahrungen und schafft die Verbindung zwischen seiner Theorie der Gewaltfreien Kommunikation und ihrer praktischen Umsetzung in der Konfliktbewältigung.

Aus dem einstigen Raufbold ist ein Mann geworden, der in der Gewaltfreiheit die größte aller Kräfte entdeckt hat.

Marshall Bertram Rosenberg stirbt am 7. Februar 2015 in Albuquerque, New Mexico.